Der Weg zur Partnerschaft

Auf die historischen und geschichtlichen Verbindungen zwischen Rheinbach und Kamenický Šenov ( Steinschönau ) wird verwiesen.

Wie fingen die Beziehungen an?

Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden die Reisen in die Tschechoslowakei und die Möglichkeiten sich frei und offen zu bewegen einfacher. Selbstverständlich waren zuvor Kontakte, Besuche, Geschäftsverbindungen gegeben, jedoch von den jeweiligen politischen Situationen sehr geprägt.

Erste Kontakte

Im Jahre 1991 reiste Helfried Glössner nach Kamenický Šenov (Steinschönau). Die Initiative ging von seiner Mutter aus, die ein Jahr zuvor verstorben war: „ Fahr doch noch einmal nach Steinschönau.“ Er war dort 1968 auf einer Rundreise nach Prag und war von der Landschaft begeistert.

Die einzige konkrete bekannte Anlaufstelle war die Hausnummer 829 auf der Kamnitzer Str., die sich nicht verändert hatte. Eine tschechische Schulfreundin der Mutter sollte dort wohnen.

Neugierig, ein wenig nervös, was würde ihn erwarten, aber gespannt, wie wird es sein, wenn er schellt, wie kommt er mit der Sprache zurecht, er spricht kein Tschechisch, das alles bewegte ihn bei seiner Fahrt 1991.

Zu seiner Freude traf er auf eine sehr nette Familie. Frau Novakova, die Schulfreundin der Mutter wohnte noch in dem Haus.

Der erste Schritt war getan, der zweite galt dem Glas. Das Glasmuseum, an markanter Stelle in Kamenický Šenov (Steinschönau) gelegen, lud zum Besuch ein.

Ein Zufall wollte es, dass an diesem Tag ein älterer stattlicher Herr die Führung leitete, der auch gut Deutsch sprach. Als er ihm den Namen Glössner mit dem Hinweis nannte, Friedrich Glössner war hier früher Lehrer an der Glasfachschule, kam noch keine Erinnerung, erst im Dialekt „ Glässner“, sagte Ladi Jindra: „ Ja, den kenne ich, mit dem war ich gemeinsam in der Schule.“

Ein weiteres sehr positives Ereignis.

Die dritte Station, die Glaskunstfachschule von Kamenický Šenov. Hier traf er weitere Personen, die mitentscheidend für die Partnerschaft werden sollten.

Karel Rybáček, der Direktor der Schule, und Jaroslav Kopic, der Deutschlehrer, sowie Vitĕslav Dĕdek, stellv. Direktor, die alle Kontakte zu Glasfachschulen in Europa suchten. So war es vielleicht ein Zufall, dass Helfried Glössner gerade zu dieser Zeit in Kamenický Šenov war.

Die Idee, einmal Schülern und Schülerinnen die Gelegenheit zu geben, in Rheinbach in Glasbetrieben hospitieren zu können, war geboren. Der Optimismus überwog, was sollte schon dagegen sprechen, aber wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Ohne die großzügige Bereitschaft der Glasfachschule Rheinbach unter der Leitung von Heinrich Küting hätten die beiden Schülerinnen Berta Dousova und Marketa Capekova ihre geplante 12-wöchige Praktikantenstelle nicht antreten können. Neben dem Besuch der Glasfachschule wurde in den Herbstferien auch bei zwei Rheinbacher Glasveredlern gearbeitet.

Beide Schülerinnen wurden bei der Familie Glössner aufgenommen und ins Familienleben mit einbezogen. Es wurde ein wenig Tschechisch gelernt. Ahjo, co, die Farben für das Kartenspiel und natürlich Deutsch gesprochen. In der Schule war Linda Wendler die gute Seele, die die beiden jungen Damen mit betreute.

In den folgenden Jahren fand ein reger, intensiver Schüleraustausch zwischen den beiden Schulen statt. Jeweils für 3 Wochen waren Schüler und Schülerinnen aus beiden Schulen in den jeweiligen Glasfachschulen.

Die Basis für die Kontakte und die Partnerschaft war gelegt. Vielen Dank an die jeweiligen Direktoren und die Lehrkräfte. Mit Karel Rybáček und Heinrich Küting hat es begonnen, nahtlos und mit genau so viel Engagement von Norbert Hilgermann und Pavel Werner fortgesetzt. Aber auch vielen Dank an Peter Schürmann, der für einen reibungslosen Ablauf des Schüleraustausches sorgte und an Helmut Hoffmann, der die Rheinbacher Schüler nach Kamenický Šenov sowie an Franticek Janak, der die tschechischen Schüler nach Rheinbach begleitete und mit seinen Ausstellungen im Rheinbacher Museum weitere Akzente setzte.

Im Jahre 1994 besuchten Lehrer der Glasfachschule aus Rheinbach Kamenický Šenov und waren begeistert von der Gastfreundlichkeit, den interessanten Gesprächen und den Kontakten, die in der Tavba vertieft wurden.

Im Rahmen des 140-jährigen Bestehens der Glaskunstfachschule in Kamenický Šenov wurde am 24.April 1996 die Schulpartnerschaft zwischen den beiden Glasfachschulen besiegelt. Beteiligt waren im Rahmen einer Feierstunde im Glasmuseum eine Gruppe Rheinbacher Schüler, die auf einer Klassenfahrt nach Prag waren.

Die Urkunde trägt den Text:

Dem gemeinsamen Ursprung verpflichtet, vereinbaren die unterzeichneten Schulen, Glasgestaltung und die dazu erforderlichen Glastechniken gemeinsam zu entwickeln. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, durch einen intensiven Austausch der Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Glasveredelung auf europäischer Ebene führend zu sein und gemeinsam neue Wege in der Glaskunst zu suchen. Beide Schulen setzen sich für eine aktive Zusammenarbeit ein, welche durch wechselseitige Besuche, Ausstellungen und Studienaufenthalte vertieft wird.

Die daraus entstehenden guten Beziehungen zwischen deutschen und tschechischen Glasgestaltern werden ein dauerhaftes Fundament sein, auf welches sich Verständigung gegenseitiger Achtung und Freundschaft zwischen beiden Schulen sowie zwischen den Bürgern unserer Städte aufbauen.

Wie sagte der damalige Schuldirektor Karel Rybáček u.a. in seiner Ansprache: „ Ich habe nie vor dem Jahr 1989 geglaubt( und ich habe eine ziemlich große Phantasie), dass so etwas vorkommt, eine Partnerschaft zwischen den verwandten Schulen. Wir haben immer zu den gemeinsamen Werten der Vergangenheit gestanden, wir wurden dafür verschmäht und kritisiert, aber wir sind von unserer Meinung nicht abgetreten. Wir achten die früheren Generationen für alles, was sie für den Ruhm des hergestellten und bearbeiteten Glases gemacht haben.“

Am 20.5.1996 besuchte eine Delegation aus Kamenický Šenov unter Leitung von Karel Rybáček und Bürgermeister Ladislav Flĕgl Rheinbach, um die Partnerschaft der Schulen in Rheinbach zu besiegeln. Der General-Anzeiger schrieb damals u.a.: „Bereits vor acht Jahren, also 1988 hatte der damalige Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes vorgeschlagen, eine Partnerschaft Rheinbach mit dem Glaszentrum Kamenický Šenov( Steinschönau) zu begründen. Und der damalige Bürgermeister Hans Schellenberger erinnerte an die Wurzeln der Rheinbacher Glasfachschule und der meisten Glasveredelungsbetriebe. Wichtig sei jetzt, nach über 50 Jahren, dass die Jugend aufeinander zugeht.

Die Kontakte wurden intensiver. Schüleraustausch, Teilnahme an den Glassymposien in Kamenický Šenov, Fußballspiele, Ausstellungen im Glasmuseum von Rheinbach von tschechischen Glaskünstlern.1997 weitere Besuche von Lehrern aus der Rheinbacher Glasfachschule in Kamenický Šenov. Ausflüge in die herrliche Umgebung, Besuch von Glashütten, Schloss Lemberk.

Ein unermüdlicher Pendler in Sachen „ Glas“ ist u.a. Peter Rath von der Fa.Lobmeyr aus Wien, die wieder einen Sitz in Kamenický Šenov begründet hat. Peter Rath fördert die Gravur und sein Atelier ist Ziel vieler Glasinteressenten. Seit 1993 ist Peter Rath wieder in Kamenický Šenov ansässig. In seinem Prospekt „ Glas in Bewegung“ schreibt Peter Rath, das jetzige Firmenhaus, eine ehemalige Fleischerei, wurde nach der Vertreibung der Deutschen von der Stadt als Zinshaus genutzt. Nach der Renovierung wurde ein Glasatelier eingerichtet. Schräg gegenüber liegt ein herrliches wieder im alten Glanz mit viel Liebe restauriertes Haus „ GLASSiCENTER“ das heute als Zentrum für Ausstellungen dient.

Die Ausstellung im Rheinbacher Glasmuseum „ Ein Stamm – Zwei Äste“, anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Staatlichen Glasfachschule in Rheinbach, die heute den Namen „ Staatliches Berufskolleg Glas-Keramik-Gestaltung des Landes NRW Rheinbach“ trägt, war ein weiterer Höhepunkt in den Beziehungen zwischen den beiden Städten, weil sie die Glaskunst vieler Jahrzehnte und Jahrhunderte von Glaskünstlern aus Steinschönau, Kamenický Šenov, Meistersdorf, Rheinbach, zeigte.

Die von den Museumsleiterinnen Dr. Ruth Fabritius und Helena Braunova vorbereiteten und begleiteten Ausstellungen fanden einen über die Grenzen hinaus beachtenswerten Anklang im Rahmen der 700-Jahr-Feiern der Stadt Rheinbach.

Rheinbacher Glaskünstler, Vertreter der Rheinbacher Glasfachschule, waren auch zum zweiten internationalen Glassymposium in Kamenický Šenov im September 1999 vertreten.

Beeindruckt von der Vielfalt und der Qualität der Glasskulpturen, die im Rahmen des Symposiums bei einem Besuch bei Prof.Rubiček in Kamenický Šenov besichtigt werden konnten, äußerte Norbert Hilgermann, Dir. der Rheinbacher Glasfachschule, „ das wäre eine Ausstellung in dem neu zu erstellenden Glaspavillion in Rheibach wert“. Rene Rubiček, ein weltbekannter Glaskünstler in Japan, Amerika und Frankreich, faszinierte mit seinen Werken die Besucher des Symposiums.

Nicht wegzudenken, von Böhmen, von Kamenický Šenov, von Novy Bor( Haida) ist Franz Wendler, ein herausragender Graveur, der heute in Rheinbach lebt. Franz Wendler ist ein profunder Kenner des Böhmischen Glases und der Geschichte des Sudetenlandes, ein Glaskünstler, der mit seinem Engagement für und mit dem Glas lebt.

Der Besuch im September 2000 in Kamenický Šenov mit einer Rheinbacher Gruppe bekräftigte noch einmal den Wunsch zu einer Städtepartnerschaft. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Glas konnten sich von dem Reiz der Landschaft, von der Offenheit der Gesprächspartner, von dem Wunsch nach Kontakten überzeugen. Besichtigungen von Glashütten, Ausflüge nach Deutsch Gabel, Jablonne, Schloss Lemberk mit einem unvergesslichen Abend im Parkhotel in Novy Bor, an dem die beiden Bürgermeister Ota Raiter und Stefan Raetz sowie viele tschechische und deutsche Gäste teilnahmen, schafften die Grundlage für neue Beziehungen.

Der Besuch der Rheinbacher Delegation, Vertreter des Rates, der Bürgermeister Stefan Raetz, der Verein der Freunde und Partner von Steinschönau( Kamenický Šenov) e.V., Bürger aus der Stadt, freuen sich in der Zeit Gast in Kamenický Šenov sein zu können, um im Rahmen der 650-Jahr Feier die Städtepartnerschaft beschließen zu können.

Ein besonderer Dank gebührt den Dolmetschern

  • Ruth Kralova
  • Katerina Ditterova
  • Rudolf Hais
  • Jaroslav Kopic

Geschichte des Vereins und der Städtepartnerschaft

Am 24.10.2001 fand im Ratssaal des Rheinbacher Glasmuseums unter Leitung von Helfried Glössner die Gründungsversammlung des Vereins mit dem Namen“ Verein der Freunde und Partner von Steinschönau ( Kamenicky Senov ) und Umgebung e. V.“ statt.

Die nach der Gründung wichtigste und an erster Stelle stehende Aufgabe des Vereins war es, die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Rheinbach und Kamenicky Šenov vorzubereiten.

Die festliche Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde durch die beiden Bürgermeister, Herrn Ota Raiter und Herrn Stefan Raetz, fand am 28.06.2002 im Rahmen der 650 Jahr-Feier der Stadt Kamenicky Senov statt.

Der Verein hat jetzt 100 Mitglieder ( Stand 05.06.2008 ).

Die Aufgaben des Vereins sind in der Satzung festgelegt und bestehen unter anderem aus:

  • Förderung des Jugend- und Schüleraustauschs
  • Finanzielle Unterstützung von Veranstaltungen, welche die Städteverbindung fördern
  • Kulturelle Förderung
  • Förderung von Freundschaftsbesuchen

Viele der genannten Aufgaben sind schon umgesetzt worden:

  • So wurde der schon seit 1996 existierende Austausch von Glasfachschülern verstärkt unterstützt. Außerdem besteht seit 2003 ein regelmäßiger Austausch zwischen den Hauptschülern der Stadt Rheinbach und  Schülern von Kamenicky Senov.
  • Viele gegenseitige Besuche der Bürger beider Städte wurden seitdem durchgeführt .Im Jahre 2006 machte sich eine kleine Gruppe Rheinbacher Bürger – unter ihnen auch der Bürgermeister Stefan Raetz – auf den weiten Weg in die 650 km entfernte tschechische Partnerstadt, mit dem Rad sind es ca. 800 km
  • In jedem Jahr finden in Kamenicky Senov zwei Kleiderbörsen statt, die von Kleiderspenden der KJI-Merzbach und Rheinbacher Bürgern unterstützt werden.
  • Alle zwei Jahre wird in Rheinbach zur Förderung junger Talente der Glaskunstpreis vergeben.
  • Erstmalig soll im Jahre 2009 ein internationales Chorfestival mit Beteiligung aller Partnerstädte inRheinbach stattfinden.

Da alle Aktivitäten zur Verbesserung der städtepartnerschaftlichen Beziehungen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder EU-Fördergeldern finanziert werden, freut sich der Verein natürlich über jedes neue Mitglied.

Näheres und weitere Informationen können Interessenten vom 1.Vorsitzenden, Herrn Winfried Kern, erfahren. Zu erreichen unter:

Winfried Kern
Dreeser Weg 6
53359 Rheinbach
Tel.: 02226-12306
E-Mail: mail@partnerschaft-steinschoenau.de

Vielen Dank für die vielen Informationen, die Burger aus beiden Städten Rheinbach und Kamenický Šenov (Steinschönau) und Umgebung gegeben habe, ohne deren Hilfe und Einsatz die Partnerschaft zwischen den Bürgern und den Städten nicht entstanden wäre.

Helfried Glössner

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