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Kamenický Šenov (Steinschönau) ist eine kleine nordböhmische Stadt, ursprünglich mit der Deusch- sprachlichen Bevölkerung. Seit dem 17. Jahrhundert belieferten die in der Nähe liegenden Glashütten die Steinschönauer Kleinbauern mit Rohstoff, die sie mit Gravur, Schleifen und später mit Malerei verfeinerten. Mit dem Glass ritten sie auf lange Geschäftsreisen, zuerst mit einem Rucksack oder einer Schubkarre, dann mit schweren, vollläufig beladenen Fuhrwerken. Ihre Geschicklichkeit und unternehmerischer Erfolg führten zur Entwicklung der Stadt. Blütezeit veränderte seine Form, es wuchsen zwischen den Hütten die Prachtbauten mit Mansardendächern1 und in der Mitte des Steinschönauer alten Friedhof wurde ein Neubau des Barocktempels abgeschlossen2.

Der alte Friedhof diente als Steinschönauer Gräberfeld mindestens seit dem Anfang 16. Jahrhundert. Er wurde von Steinmauern mit Sandsteindesken umgeben3. Auf dem Friedhof befindete sich eine Holzkirche, und als diese ausdiente, wurde im Jahre 1718 durch die barocke St.-Johannes der Täufer-Kirche vom Architekten Columbani ersetzt. Gegen 1820 wurde der südliche Teil des Friedhofs abgebrochen und legte die Passage rund um die Westfassade der Kirche frei. Zu dieser Zeit erwuchs ein Tor mit Steinsäulen mit Vasen, durch die man heute den Friedhof betritt4. 1883 wurde in der Nähe ein neuer Friedhof eröffnet, und seitdem ist verboten auf dem alten Friedhof zu begraben. Im Jahr 1910 war der Bereich nivelliert, so dass blieben nur die wertvollsten Grabsteine reicher Raffinerier und Händler stehen, die an der Friedhofmauer5 und Nordwand der Kirche standen. Im Jahr 1935 wurden 84 Grabsteine registriert (siehe: Harry Palme – Der alte Friedhof von Steinschönau). Der Zustand des alten Friedhofs war schon damals desolat6 und verbesserte sich noch nicht einmal nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung. In der sozialistischen Ära wurde auf dem Zustand des alten Friedhof Desinteresse in offiziellen Positionen sichtbar, gelegentliches Vandalismus und Geldmangel der Steinschönauer Pfarrei. Die in den 80 Jahren des 20.Jahrhunderts ausgeführte Restaurierung der Fassade der Kirche brachte nur ein weiterer Verlust von etwa 30 Grabsteinen an der Kirchwand7. Bis heute blieben nur 50 erhalten und ihr Zustand ist meist nicht gut. Im Jahr 2005 wurde Bürgervereinigung SONOW gegründet, die für den alten Friedhof sorgt. Der Verein schaffte das Eingangstor und drei Grabsteine wieder herzustellen, die Zerstörung von mehreren Grabsteine durch Verhärtung des Steins oder ihrer statischen Sicherheit zu verzögern. Von Fallrohren der Kirche wurde die Kanalisation gemacht. Seit 2005 entzündet der Verband an Allerheiligen auf dem alten Friedhof Kerzen und bereitet Mahlzeit für die Gäste zu.

Die Grabsteine auf dem alten Friedhof erhalten sich im Stil Rokoko8, Klassizismus9, Neoklassizismus10, Neogothik11 und einer im Stil Biedermeier12. Zeitpunkt ihres Auftretens definieren Jahre 1767-1883 auf, bzw.1910. Das Material ist vorwiegend der schärfe Sandstein, vollgemacht mit Marmor, Trachyt, Schiefer. Die meisten Grabsteine sind freistehend an der Mauer und zwischen ihnen stehen 10 Friedhofskapellen, wo die Gräber meist mit Skulpturen geschmückt sind. Vor der Familiengruft Conrath blieb ein Friedhofskreuz allein stehen, der damals auch ein Grabstein war13.

Die ältesten zwei erhaltenen Grabsteine sind im Stil Rokoko. Johann Christoph Zahn (1767) lies sich auf der Nordseite der Friedhofsmauer einen plastisch mit Rokoko-Ornamente, Symbole der Eitelkeit und mit Freimaurer dekorierten Grabstein einbauen14. Den anderen kaufte sich Johann Jakob Höltzel (1769). Dies ist eine Stele am östlichen Ende des Friedhofs mit plastischen Motiven von Kind, Eulen, Sanduhr, einen Totenkopf der Schlange und anderen15. Der Text auf der Sichtseite ist teilweise auf der Rückseite der Stele über der Friedhofsmauer zu sehen, so ist von Menschen, die hinter der Wand gehen, zu lesen. Wertvoll ist eine Serie von 7 klassizistischen Grabsteinen von Anfang 19. Jahrhundert der Familien Krause und Vogl, mit der Signatur „Ant. Max“16. Helzels Gruft ist durch ihre Grabstein und italienischen Marmoraltar mit der herrlichen Statue des Gekreuzten hervorragend17. Conrath Familiengruft trägt ein Replikat der barocken Statue der Jungfrau Maria – Imaculata, Statuen von zwei Putten an den Seiten fehlen schon leider18.

Außergewöhnlich ist der Friedhof vor allem durch eine Sammlung von fünf Skulpturen von berühmten Bildhauern des 19. Jahrhunderts, Joseph und Emanuel Max aus Sloup v Čechách (Bürgstein). Eine Frau mit dem Kreuz auf dem Grabstein Familie Krause19, zwei Engel auf den Grabstein Familie Conrath20, ein Engel auf dem Grabstein, die sich Carl Conrath erworb21. Laut der Analogie stammt von Josef Max auch der segende Christus auf dem Grabstein der Familie Rasch22.

Trotz der offensichtlichen Qualität der plastische Schmuck ist für die Fachöffentlichkeit der alte Friedhof in Kamenický Šenov fast unbekannt. Seine Einzigartigkeit beschreibt acht-hundert-seitige Abhandlung, die über ihn in r. 1935 ein lokaler Wissenschaftler und Industrieller Harry Palme schrieb22-33. Er zeigte schon damals auf den desolaten Zustand des alten Friedhofs und appellierte an das kulturelle Erbe, das geschützt und für künftige Generationen erhalten soll. Zur Erinnerung an den Verstorbenen und Genius Loci verdient er sich das zweifellos auch heute.

Bc. Radim Vácha

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